Prävention in der Schuldnerberatung

Hier finden Sie Informationen und Hintergrundwissen zum Thema Prävention in der Schuldnerberatung.

 

Weiterbildung: Prävention in der Schuldnerberatung

Um wieder schuldenfrei zu werden, brauchen Jugendliche in der Regel Hilfe, präventive Maßnahmen greifen besonderes gut zu Beginn der Schuldnerkarriere. Wenn die Schulden bereits hoch sind, brauchen die Jugendlichen auch Hilfe bei der konkreten Schuldenregulierung.

Die Weiterbildung: Schuldenprävention mit jungen Menschen führt in Formen und Einsatz der Haushalts -und Budgetplanung ein und stellt bestehende Materialien für die Schuldenprävention vor.

Die Qualifizierung zum*zur Jugendschuldnerberater*in vermittelt Kenntnisse und Strategien für die Schuldnerberatung mit jungen Menschen. 

Was bedeutet Prävention in der Schuldnerberatung?

Schuldenprävention bedeutet, die Entstehung von Überschuldung durch zielgerichtete und strategische Aufklärungsarbeit zu verhindern.

Prävention in der Schuldnerberatung - Kinder und Jugendliche

Die Kaufkraft von Kindern und Jugendlichen steigt stetig an und umso wichtiger ist auch die Prävention in der Schuldnerberatung.

Die Wirtschaft hat dies erkannt und versucht, bei dieser lukrativen Zielgruppe mit immer neuen Strategien, Produkten und Trends eine prägende Konsumorientierung und Kundenbindung zu erreichen. Kinder und Jugendliche sind bis zur Volljährigkeit meist per Gesetz geschützt, doch mit dem 18. Geburtstag sind sie voll geschäftsfähig und ihnen steht die Geschäftswelt offen. Ab diesem Zeitpunkt sind sie auch juristisch für ihr Tun verantwortlich.

Die erste gravierende Überschuldung erfolgt häufig im Alter von 18 Jahren. Oftmals geben die Schuldner*innen an, kurz nach dem 18. Geburtstag unreflektiert Verträge, z.B. finanzierte Kaufverträge oder Handyverträge, unterschrieben zu haben. Ihnen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, welche Auswirkungen ihr Handeln auf ihre Zukunft haben wird. Gerade junge Personen, die ohne elterliches Vorbild aufwachsen, gehören zu dem Personenkreis der Überschuldeten. Oft haben sie keinen Kontakt mehr zu den Eltern oder erleben die Eltern als schlechtes Vorbild, da sie selbst unreflektiert Zahlungsverpflichtungen eingehen.

Aus diesem Grund ist Prävention in der Schuldnerberatung speziell für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsende besonders wichtig. Eine praxisnahe Information über Themen wie Geld, Konsum und Werbung, Haushaltsbudgetplanung, verbraucherrechtliches Wissen und das Aufzeigen von typischen Verschuldungsrisiken, beugen einer Verschuldungssituation vor. Die Prävention in der Schuldnerberatung hat eine Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung und somit eine Erhöhung der Handlungskompetenzen junger Menschen zum Ziel.

Prävention in der Schuldnerberatung: Ebenen

Schuldenprävention lässt sich auf verschiedenen Ebenen ausführen:

Primäre Prävention in der Schuldnerberatung

Die Jugendlichen haben keine finanziellen Probleme und sind nicht verschuldet. Ziel ist es, einer Verschuldung, durch die Sensibilisierung der Jugendlichen für das Thema Geld, Konsum und Schulden, vorzubeugen.

Sekundäre Prävention in der Schuldnerberatung

Die Jugendlichen haben teilweise bereits finanzielle Schwierigkeiten. Ziel ist es, die Hemmschwelle für das Thema Verschuldung zu senken und wichtige Informationen über verschiedene Themen, z.B. Haushaltsplanung oder Schuldnerberatungsstellen zu geben, um einer Verschlimmerung der Situation vorzubeugen.

Tertiäre Prävention in der Schuldnerberatung

Die Jugendlichen haben bereits eine Überschuldungssituation erlebt und bewältigt. Ziel ist es, eine erneute Schuldensituation zu verhindern. Dies erfolgt wiederum durch die Information über die Themen Geld, Konsum und Schulden. Es resultiert daraus eine Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung.

Prävention in der Schuldnerberatung: Beispiele für Präventionsprojekte

Präventionsprojekt: Erstellung eines Lebensordners

Ziel: Der*die Jugendliche ordnet und strukturiert seinen*ihren ganzen "Papierkram" in einem Ringbuchordner und erhält somit einen Überblick über die wichtigsten Unterlagen zu seinem*ihrem bisherigen Leben.

Ablauf:

- Ringbuchordner und Trennblätter besorgen

- Trennblätter mit einzelnen Inhalten beschriften, wie z.B. persönliche Akten, Schule, Arbeitsamt, Versicherungen, Wohnung

- Unterlagen nach Inhalten einsortieren

Tipp: Für Schuldenunterlagen einen extra Ordner anlegen!

Präventionsprojekt: Haushaltsbudgetplan / Haushaltsbuch

Ziel: Der*die Jugendliche erhält eine Übersicht über seine*ihre Einnahmen und Ausgaben und reflektiert über seine*ihre Konsumeinstellung/-verhalten.

Tipp: Rollentausch bei Frage nach Einsparmöglichkeiten: Jugendliche*r soll Betreuerseite einnehmen und Haushaltsplan aus Sicht des*der Betreuers*in kommentieren.

Präventionsprojekt: Konzept des Wünsche- und Bedürfnisbaums

Ziel: Reflexion der Wünsche und Bedürfnisse des*der Jugendlichen

Ablauf:

  • Definitionsklärung: Wunsch und Bedürfnis
  • Auf ein großes Blatt Papier den Umriss eines Baums mit dicken Ästen und Wurzeln im Boden zeichnen
  • Jeweils ein Bedürfnis des*der Jugendlichen in einen Ast schreiben
  • Sammeln von Wünschen des*der Jugendlichen auf bunten Papier-"Blättern". Die einzelnen "Blätter" an die jeweiligen Bedürfnis-Äste kleben.
  • Kennzeichnen aller materiellen Wünsche mit roten Punkten; Reflektion über das Verhältnis der materiellen und immateriellen Wünsche und Alternativen für materielle Wünsche sammeln
  • Die Wurzeln stehen für das Vermögen des*der Jugendlichen. Sind die Wurzeln (Vermögen) nicht stark ausgeprägt, und trägt der Baum viele materielle Wünsche, kippt der Baum um (steht symbolisch für Verschuldung).

Tipp: Einen "Kauf-nix-Tag" veranstalten: Die Idee ist, einen Tag lang nichts zu kaufen und dabei auch darüber nachzudenken, wie sich unser Konsum auf uns und unsere Umwelt auswirkt. Viele Informationen unter www.buynothingday.de

Präventionsprojekt: Thematisierung des Konsumverhaltens

Ziel: Mit den Jugendlichen zusammen das Konsumverhalten in der Gruppe reflektieren

Ablauf:

  • Im Plenum Einkaufsfallen im Supermarkt zusammentragen
  • Mit Hilfe des Info-Materials auf www.checked4you.de nachbesprechen
  • Über Einfluss der "Fallen" und Werbung reflektieren

Tipp: Einkaufs- und Konsumverhalten von sich selbst (Betreuer*in) überprüfen