Resilienzforschung im Überblick

Resilienz eine Definition

Ursprünglich wurde der englische Begriff „resilience“ in der Materialkunde verwendet, um die Fähigkeit von Werkstoffen zu beschreiben, aus einer starken Verformung heraus wieder in ihren originären Zustand zurückzukommen. In den 1950er-Jahren hielt der Begriff dann Einzug in die Psychologie und bezog sich dabei zunächst vor allem auf Kinder und Jugendliche, die sich trotz widriger Lebensumstände oder Krisen gut entwickelten, ohne Auffälligkeiten zu zeigen. Im Laufe der Jahrzehnte etablierte sich der Begriff und wurde weitgreifender verstanden. Auf dem internationalen Kongress „Resilienz – Gedeihen trotz widriger Umstände“ in Zürich 2005 einigten sich die Teilnehmenden auf folgende Definition:

"Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen. Mit dem Konzept der Resilienz verwandt sind Konzepte wie Salutogenese, Coping und Autopoiese. Alle diese Konzepte fügen der Orientierung an Defiziten eine alternative Sichtweise bei." (Welter-Enderlin 2006: 13)

  • Resilienz = psychisches Immunsystem, psychische Widerstandsfähigkeit, innere Stärke; Jack Block, Emmy Werner / Ruth Smith
  • Salutogenese = Modell zur Entstehung von Gesundheit; Aaron Antonovsky
  • Coping = Strategie zur Bewältigung von Problemen; Richard Lazarus
  • Autopoiese = Fähigkeit, sich selbst zu erhalten, wandeln, erneuern; Francisco J. Varela / Humberto R. Maturana
  • Positive Psychologie = Lehre zur Erforschung der Aspekte, die Wohlbefinden von Personen steigert; Abraham Maslow, Martin Seligmann

Mit der obigen Definition wird zugleich der Paradigmenwechsel deutlich, der hier vollzogen wird: Der Ansatz betrachtet ausdrücklich nicht, was den Menschen krankmacht, sondern welche Faktoren dazu führen, damit Menschen Krisen welcher Art auch immer gut überstehen (vgl. Siegrist/Luitjens 2015: 28).

Eigenschaften resilienter Menschen

Personen, die als resilient bezeichnet werden können, bringen Eigenschaften mit, die sie in einer Bedrohung oder Störung unterstützen:

  • Sie gleichen negative Einflüsse aus,
  • regenerieren nach Belastungen und
  • können sich nach Veränderungen gut anpassen.

Dafür sind sie bereit, ihre Einstellung oder ihr Verhalten zu ändern bzw. ihre Kompetenzen zu stärken. Diese Fähigkeiten werden auch Resilienz-, Schutz- oder Protektivfaktoren genannt (Helmreich/Lieb 2015: 52).

Ist Resilienz vererbbar?

Bemerkenswert ist, dass nur ein Teil der Resilienz vererbt ist. Vielmehr ist sie Ergebnis von Strategien, die sich ein Mensch im Laufe des Lebens zur Krisenbewältigung erarbeitet hat. Resilienz ist jedoch kein starres Gebilde, sondern ein Kontinuum, d. h. Menschen sind mal mehr, mal weniger resilient. Vorhandene Ressourcen können demnach genutzt und durch gezielte Übungen die eigene innere Stärke ausgebaut werden.

 

Literatur:

  • Helmreich, Isabella / Lieb, Klaus (2015): „Schutzmechanismen gegen Burnout und Depression“. In: InFo Neurologie & Psychatrie 17(2), S. 52-62.
  • Siegrist, Ulrich / Luitjens, Martin (2015): 30 Minuten Resilienz. Offenbach: GABAL.
  • Welter-Enderlin, Rosmarie (2006): „Einleitung. Resilienz aus der Sicht von Beratung und Therapie“. In: Welter-Enderlin, Rosmarie / Hildenbrand, Bruno (Hrsg.): Resilienz – Gedeihen trotz widriger Umstände. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag, S. 7-20.

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