Thema Inklusion: Umsetzung der Inklusion in Deutschland

Von einem inklusiven Schulsystem entsprechend der UN-Behindertenrechtkonvention ist Deutschland derzeit noch weit entfernt: Nur 15% der Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in den weiterführenden Schulen bundesweit inklusiv unterrichtet.

Durch die föderale Struktur im Bildungswesen gibt es zudem große Unterschiede bei der Umsetzung zwischen den einzelnen Bundesländern. 

Inklusion in den einzelnen Bundesländern

Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es große Unterschiede. Sie haben sehr unterschiedliche Inklusionsquoten. 

Die höchste Inklusionsquote an den Schulen hat Schleswig-Holstein mit 41,9 Prozent, während Niedersachen nur einen Inklusionsanteil von 6,6 Prozent erreicht.
Mit anderen Worten: Während in Schleswig-Holstein fast jede/r zweite Schüler/in mit sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv unterrichtet wird, ist es in Niedersachen nur jede/r 20. Schüler/in.

Auch was die einzelnen Förderschwerpunkte angeht beschreiten die Bundesländer ganz unterschiedliche Wege:

Fast die Hälfte aller Schüler/innen mit sozialpädagogischem Förderbedarf ist dem Schwerpunkt Lernen zugeordnet und im Bundesdurchschnitt werden 18,9 Prozent dieser Schüler/innen inklusiv unterrichtet.

Das Bundesland Sachsen bildet in diesem Bereich das Schlusslicht mit 1,7 Prozent, während in Hamburg 61,5 der Schüler/innen mit Förderschwerpunkt Lernen inklusiv unterrichtet werden. 

Inklusion in Kindertageseinrichtungen, Grundschule und Sekundarstufe I

In allen Bundesländern gleich ist der Trend, dass der Inklusionsanteil im Verlauf der Bildungskarriere stetig abnimmt.

Während der Inklusionsanteil in Kindestageseinrichtungen noch 60 Prozent beträgt, sinkt er in den Grundschulen im Bundesdurchschnitt auf 34 Prozent.

In der Sekundarstufe I beträgt der Inklusionsanteil dann bundesweit nur noch 15 Prozent.

Dabei gibt es enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern:

In Schleswig-Holstein werden 40,2 Prozent der Schüler/innen mit sonderpädagogischen Förderbedarf inklusiv in der Sekundarstufe I inklusiv unterrichtet in Sachsen-Anhalt sind es nur 5,7. 

Vergleichende Studie im Förderschwerpunkt Lernen

In einer repräsentativen Studie von Grinnold wurde zwischen 1999 und 2005 der Übergang von der Schule in den Beruf von Jugendlichen mit Förderschwerpunkt Lernen in Berlin untersucht. Dabei wurden die Wege von Jugendlichen in Förderschulen und Jugendlichen in Integrationsklassen verglichen. Die Ergebnisse sprechen deutlich für einen inklusiven Unterricht:

- 66 Prozent der Schüler/innen in den Integrationsklassen erreichten einen Qualifizierenden Schulabschluss (in den Förderschulen gelang dies nur 50 Prozent der Schüler/innen)

- 65 Prozent der Jugendlichen in den Integrationsklassen fanden einen Ausbildungsplatz (aus den Förderschulen gelang dies nur 52 Prozent der Schüler/innen)

- 38 Prozent der Jugendlichen in den Integrationsklassen mit Ausbildungsplatz absolvierten eine betriebliche Ausbildung (bei den Jugendlichen aus den Förderschulen waren es nur 3 Prozent der Jugendlichen)

- 27 Prozent der Jugendlichen in den Integrationsklassen mit Ausbildungsplatz absolvierten eine nicht-betriebliche Ausbildung (bei den Jugendlichen aus den Förderschulen waren es 49 Prozent der Jugendlichen)

- 55 Prozent der Jugendlichen in den Integrationsklassen mit Ausbildungsplatz absolvierten eine Vollausbildung (bei den Jugendlichen aus den Förderschulen waren es nur 33 Prozent der Jugendlichen)

- 45 Prozent der Jugendlichen in den Integrationsklassen mit Ausbildungsplatz absolvierten eine theoriereduzierte Ausbildung (bei den Jugendlichen aus den Förderschulen waren es nur 66 Prozent der Jugendlichen)

Zusammenfassend kann man also feststellen, dass Jugendliche in den Integrationsklassen häufiger einen Schulabschluss erreichten und der Übergang in die Ausbildung besser gelang und die Ausbildungsabschlüsse höherwertig waren.

Weiterbildung zum Thema Inklusion

Ab 2014 bietet das Institut für Bildungscoaching die Weiterbildung zum Inklusionscoach an, die sich mit dem Thema Inklusion und den Umsetzungsmöglichkeiten in Schule und Ausbildung befasst.
Mehr Informationen zur Weiterbildung zum Inklusionscoach finden Sie hier.