Interkulturelle Kompetenz

Der Begriff der interkulturellen Kompetenz ist in den vergangenen Jahren zunehmend zu einer der Schlüsselqualifikationen geworden – und das über verschiedene Berufsgruppen hinweg. Doch was genau ist eigentlich darunter zu verstehen?

Dazu erscheint es zunächst sinnvoll den Begriff ‚Kultur‘ zu definieren. Häufig wird dabei zwischen der ‚hohen‘ Kultur (big-C culture) und der Alltagskultur (small-c culture) unterschieden. Big-C culture umfasst dabei z.B. die Geschichte, sowie den Kunst- und Literaturkanon einer Kultur, während letztere u.a. Verhaltens- und Denkweisen oder Kommunikationsnormen in den Fokus nimmt (Thaler 2014). Wie Günter Friesenhahn ergänzt, ist Kultur etwas von Menschen Geschaffenes, was sie aber wiederum selbst beeinflusst. Man kann Kultur dabei als Orientierungshilfe begreifen, an der die Menschen einer kulturellen Gruppe ihr Handeln ausrichten können. Sie wird erlernt und wirkt identitätsstiftend (Friesenhahn 2001).

Klar muss außerdem sein, dass eine Definition von Interkultureller Kompetenz immer nur mit Blick auf ein spezifisches Berufsfeld sinnvoll ist. Da unsere Weiterbildungen zu einem großen Teil von Menschen aus sozialen Berufen besucht werden, verstehen wir im Folgenden unter interkultureller Kompetenz die Fähigkeit „in interkulturell geprägten Arbeitssituationen mit Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen und in fremdkulturellen Situationen kommunizieren und effektiv und effizient professionell tätig werden zu können“ (Schwalb in Schroeter 2004). Nach Wolf Rainer Leenen, Andreas Groß und Harald Grosch erfordert interkulturelle Kompetenz nicht nur fachliche, sondern insbesondere auch persönliche Fähigkeiten, um in Kontexten, in denen verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, adäquat reagieren zu können. Dies kann Menschen in sozialen Berufen natürlich nur zu einem gewissen Grad im Laufe ihrer Ausbildung mitgegeben werden. Leenen, Groß & Grosch sehen daher die Sozialarbeiter*innen in der Verantwortung sich diesbezüglich im Sinne des lebenslangen Lernens weiterzubilden und an ihrer interkulturellen Kompetenz zu arbeiten. Das von ihnen auf dieser Grundlage konzipierte Kompetenzmodell beinhaltet insgesamt vier Bereiche, welche sich wechselseitig beeinflussen und ergänzen:

  • Interkulturell relevante allgemeine Persönlichkeitseigenschaften
    Hierbei handelt es sich beispielsweise um Fähigkeiten wie psychische Belastbarkeit und die Frage, wie wertend bzw. unbefangen man in einer ungewohnten Situation reagiert.
  • Interkulturell relevante soziale Kompetenzen
    Zu den sozialen Kompetenzen, die in interkulturellen Kontexten ganz besonders bedeutsam sind, gehören v.a. die Fähigkeit zur Perspektivübernahme und das Reflektieren über das eigene Kulturverständnis.
  • Spezifische Kulturkompetenzen
    Unter diese Teilkompetenz fallen Sprachkenntnisse sowie Wissen über sogenannte kulturelle Codes, d.h. über die in einer Kultur verbreiteten Tabus und Rituale.
  • Kulturallgemeine Kompetenzen
    Diese befähigen zur Bewältigung von ganz unterschiedlichen kulturellen Begegnungssituationen. Hierzu zählt das Sich-Bewusstmachen, dass das Denken – und in der Folge das Handeln – immer von den eigenen kulturellen Lernprozessen beeinflusst wird. Auch Wissen über die Entstehung und Vermeidung von Stereotypisierungen fällt unter diesen Punkt.
    (vgl. Leenen/Groß/Grosch 2002)

Interkulturelle Kompetenz spielt also eine immer wichtigere Rolle im Berufsalltag, weshalb es Möglichkeiten der Weiterbildung bedarf. Daher findet das Thema Interkulturalität auch in unseren Seminaren, insbesondere im Bereich Integration & Migration [Link einfügen], Berücksichtigung.

Literatur:

  • Friesenhahn, Günter (2001): „Interkulturell – ein Begriff macht Karriere“,
    abrufbar unter: https://www.dija.de/fileadmin/medien/downloads/Dokumente/Guenter1IKL.pdf (18.09.2018)
  • Leenen, Wolf Rainer/Groß, Andreas/Grosch, Harald (2002): Interkulturelle
    Kompetenz in der Sozialen Arbeit. In: Auernheimer, G. (Hrsg.):
    Interkulturelle Kompetenz und pädagogische Professionalität, Opladen: Leske und Budrich Verlag, S.81-102.
  • Schroeter, Lara (2004): „Modelle interkultureller Kompetenz für die
    Soziale Arbeit mit Flüchtlingen“, abrufbar unter:
    http://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2006/67/pdf/sp_d.04.572.pdf
  • Thaler, Engelbert (2014): Englisch unterrichten. Grundlagen –
    Kompetenzen – Methoden, Berlin: Cornelsen.

Weiterbildung zum Interkulturellen Coach

Das Institut für Bildungscoaching bietet die Weiterbildung zum Interkulturellen Coach an. Diese Weiterbildung ist speziell für Personen konzipiert, die mit Migranten/-innen und Geflüchteten arbeiten und/oder interkulturelle Trainings anbieten möchten.

Aufbauend kann dann die Qualifizierung zum/zur Integrationsberater/-in absolviert werden. Folgende Module gehören zu der Qualifizierung:

Weiterbildung zum Integrationscoach

Weiterbildung zum/zur interkulturellen Deutschtrainer/-in

Weiterbildung zum/zur Trainer/-in für Berufsorientierung für Flüchtlinge

Weiterbildung zum Systemischen Coach für Flüchtlinge

Weiterbildung zum Interkulturellen Coach