Ausgangslagen von Geflüchteten

Die systemische Beratungsarbeit fokussiert auf die Beobachtung und Veränderung von zirkulären Prozessen. Dabei steht jedoch nicht die Suche von Ursachen, sondern die Suche nach Lösungsansätzen im Vordergrund. Aus diesem Grund ist der systemische Beratungsansatz in der Arbeit mit Geflüchteten besonders gut geeignet. Die Beratungsarbeit besteht dann v.a. darin, die Klienten/-innen dabei zu unterstützen, ihre Potenziale zu erkennen und in einem weiteren Schritt daraus Handlungsmöglichkeiten ableiten zu können (Hegemann/Oestereich 2009).

Auch wenn sich die Grundsätze der systemischen Arbeit im Umgang mit Geflüchteten anwenden lassen, so ist dennoch zu bedenken, dass der Zugang ein vollkommen anderer ist. Schließlich sind die spezifischen Ausgangslagen von Flüchtlingen – wie Krieg, Flucht und Vertreibung – zu berücksichtigen.

Das Projekt Refugee Trauma Help, welches Online-Materialien für die Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten bereitstellt (vgl. Kracke 2018) fasst zusammen, welche traumatischen Erfahrungen Menschen mit Kriegs- und Fluchterfahrungen möglicherweise durchlebt haben:

  • Häufig haben Geflüchtete körperliche Gewalt erfahren, wurden bedroht oder möglicherweise sogar gefoltert und haben daher oft vielfältige Angstsituationen durchlebt. Diese können dabei sowohl im politischen oder religiösen Umfeld ihres Herkunftslandes, aber durchaus auch während ihres Aufenthaltes in Deutschland gemacht worden sein.
  • Natürlich kann auch aus dem Erleben von Kämpfen und (Bomben-)Angriffen in Krisengebieten eine Traumatisierung resultieren, nicht zuletzt dadurch, dass die Betroffenen den Tod anderer Menschen mitansehen mussten.
  • Noch traumatischer ist es, wenn es sich dabei um Angehörige – beispielsweise Freunde, Eltern, Geschwister oder gar die eigenen Kinder – handelt.
  • Bedrohliche Erlebnisse im Herkunftsland oder während der Flucht können bei den Betroffenen außerdem Scham- oder Schuldgefühle hervorrufen, auch wenn diese völlig unbegründet sind.
  • Es kann zudem sein, dass Geflüchtete in der Vergangenheit selbst zu Tätern geworden sind, sei es freiwillig oder weil sie dazu gezwungen wurden.
  • Auch die Tatsache, dass Flüchtlinge ihre gewohnte Umgebung verlassen und sich während der Flucht mit ständigen Ortswechseln arrangieren mussten, kann sich traumatisierend auswirken. Dies ist insbesondere deshalb der Fall, weil nur schwer dauerhafte Beziehungen zu anderen Menschen aufgebaut werden können. Immer wieder auftretende Beziehungsabbrüche sind die Folge und spielen auch nach der Ankunft in Deutschland eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
  • Während der Flucht kann es dazu kommen, dass v.a. Kinder verloren gehen oder von ihren erwachsenen Begleitpersonen absichtlich zurückgelassen werden und dann auf sich allein gestellt sind.
  • Einer der wichtigsten Entstehungsursachen von Traumata ist schließlich das Erleben der eigenen Hilflosigkeit, ein Ohnmachtsgefühl, die bestehende Situation nicht bzw. kaum beeinflussen zu können. 
  • Nicht zuletzt sind auch das Erleben von Hunger, Durst, Kälte und Krankheit sowie das ständige Gefühl von Unsicherheit als traumatische Erfahrungen zu werten.

Inwiefern diese spezifischen Ausgangslagen in der Arbeit mit Geflüchteten zu berücksichtigen sind, stellt einen der inhaltlichen Schwerpunkte der Weiterbildung zum Systemischen Coach für Flüchtlinge dar, welche wir seit 2017 regelmäßig deutschlandweit anbieten.

Literatur:
Hegemann, Thomas/Oestereich, Cornelia (2017): Einführung in die
interkulturelle systemische Beratung und Therapie, 2. Auflage,
Heidelberg: Carl-Auer-Verlag.
Kracke, Birgit (2018): „Informationen über Traumatisierte“, abrufbar
unter: https://www.refugee-trauma.help/fileadmin/downloads/pdf/de/refugee-trauma-help-informationen-ueber-traumatisierung.pdf (13.09.2018)

 

Weiterbildung zum Systemischen Coach für Flüchtlinge

Das Institut für Bildungscoaching bietet Ihnen die Weiterbildung zum Systemischen Coach für Flüchtlinge an. Diese Weiterbildung ist speziell für Personen konzipiert, die mit Migranten/-innen und Geflüchteten arbeiten und diese im Integrationsprozess beraten und begleiten.

Aufbauend kann dann die Qualifizierung zum/zur Integrationsberater/-in absolviert werden. Folgende Module gehören zu der Qualifizierung:

Weiterbildung zum Integrationscoach

Weiterbildung zum/zur interkulturellen Deutschtrainer/-in

Weiterbildung zum/zur Trainer/-in für Berufsorientierung für Flüchtlinge

Weiterbildung zum Systemischen Coach für Flüchtlinge

Weiterbildung zum Interkulturellen Coach