Die Weiterbildung zum Systemischen Deeskalationscoach bieten wir 2018 zusätzlich zu folgenden Terminen an: Vom 25.06.-28.06.2018 in Berlin sowie vom 11.12.-14.12.2018 in München. 

Das Azubi-Quartett -
ein vielseitiges Spiel zur Berufswahl.
Jetzt beim Institut für Bildungscoaching bestellen.
Preis pro Stück € 6,90
Mehr Informationen zum Azubi-Quartett finden Sie hier.

Berufswahl: Hintergrundwissen

Was will ich werden: Kernfrage der Berufswahl?

Was will ich werden? Diese Frage stellen sich jedes Jahr mehrere 100.000 Jugendliche in den Abgangsklassen der verschiedenen Schulen, die ihre erste Berufswahl treffen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich die Frage "Was will ich werden?" jungen Menschen überhaupt stellt, denn sie ist eng verknüpft mit der im Grundgesetz garantierten Berufsfreiheit, die erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde.

In Ostdeutschland war die Berufswahl bis zur Wende teilweise eingeschränkt und von der Zustimmung des Amtes für Arbeit abhängig bzw. von der politischen Zuverlässigkeit und sozialen Herkunft des Bewerbers. Die Frage "Was will ich werden?" lautete  hier also teilweise eher "Was darf ich werden?".

Aber auch in den westdeutschen Bundeländern ist/war die Freiheit in der Berufswahl nicht immer garantiert. Durch die rückläufigen Schulabgängerzahlen hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt etwas entspannt, sodass auch schwächere Jugendliche eine Chance haben. Dennoch ist die Berufsfreiheit auch in unserer Zeit eingeschränkt.

Das Bundesverfassungsgericht hat festgelegt, dass nur bei einem Verhältnis von 100 Bewerber/innen auf 112,5 Ausbildungsplätze von einem auswahlfähigen Angebot gesprochen werden kann, welches die Berufsfreiheit garantiert. Und nur dann kann für die jungen Menschen die Kernfrage "Was will ich werden?" in den Mittepunkt der Berufswahl gerückt werden.

Dieses Verhältnis war auch in den letzten Jahren oft nicht sicher- gestellt, so dass die Frage "Was will ich werden?" für viele Jugendliche eher lautete: "Was kann ich überhaupt werden?"

Berufswahl als Prozess

Die Berufswahl ist ein längerer Lern- und Entscheidungsprozess, der aus verschiedenen Meilensteinen besteht.

Im Berufswahlprozess entscheidet man zwischen endogenen und exogenen Faktoren:

Endogene Faktoren bei der Berufswahl sind innere Bedingungen, bzw. das Geschlecht, das Alter und die schulischen Leistungen. Die endogenen Faktoren treffen im Berufswahlprozess auf exogene Faktoren. Die exogenen Faktoren werden nicht von der Person bestimmt, wie zum Beispiel das Ausbildungsplatzangebot.

Exogene und endogene Faktoren bestimmen dann den individuellen Prozess der Berufswahl. Verschiedene Theorien zur Berufswahl gehen dabei von unterschiedlichen Abläufen und Faktoren im Berufswahlprozess aus.

Bestenfalls erhalten die jungen Menschen bereits in der 7. Klasse die Gelegenheit, eine Potenzialanalyse vorzunehmen und erhalten hier ein erstes Feedback, wo ihre beruflichen Fähigkeiten und Potenziale liegen könnten.

Auch Maßnahmen zur vertieften Berufsorientierung werden inzwischen an vielen Regelschulen durchgeführt, im Berufskunde-unterricht werden Berufe vorgestellt und Projekte betreut.

Wichtige Antworten kann auch das Betriebspraktikum oder das Schülerpraktikum liefern. Hier können die Schulabgänger konkrete Erfahrungen sammeln und testen, ob ihnen ein bestimmter Beruf liegt.

Gegen Ende der Schulzeit wird es dann ernst mit der Berufswahl und die Frage "Was will ich werden?" wird drängender.

Berufe / Berufsbilder

Doch welche Berufsbilder und Berufe stehen überhaupt zur Auswahl?

In Deutschland gibt es derzeit um die 350 duale Ausbildungsberufe, die allen Schulabgängern theoretisch offen stehen - ein bestimmter Schulabschluss ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, wird aber in der Praxis oft verlangt.

Viele Berufe sind allerdings sehr klein, d.h. es stehen bundesweit nur sehr wenige Ausbildungsplätze zur Verfügung. Zu jedem Beruf gibt es ein Berufsbild; alle Berufsbilder können beim Bundesinstitut für Berufsbildung (www.bibb.de) nachgelesen werden.

Neben dualen Ausbildungsberufen gibt es eine Vielzahl von schulischen Ausbildungsmöglichkeiten, die Haupt- oder Realschülern offen stehen.

Alleine in den Berufsfachschulen, die keine dualen Ausbildungsberufe ausbilden, gab es im Schuljahr 2010/2011 über 223.000 Schüler/innen.

Die Berufsbilder der schulischen Ausbildungsgänge sind viel unübersichtlicher als die Berufsbilder in den dualen Ausbildungsberufen. Hintergrund ist, dass die schulische Ausbildung Ländersache ist und in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche schulische Berufe mit unterschiedlichen Berufsbildern angeboten werden.

Für Abiturienten/innen ist die Auswahl noch größer, denn hier kommen neben allen dualen und schulischen Berufen noch die Studienfächer hinzu.

Inzwischen gibt es schon über 550 duale Studiengänge in Deutschland. Hier verbindet sich ein Studium mit einer dualen Ausbildung. Die Berufsbilder, die so entstehen, sind sehr vielfältig.

Hinzu kommen dann noch einmal 12.000 unterschiedliche Studiengänge, die man allerdings in 9 Hauptfelder gliedern kann. An manche Studiengänge schließt auch ein konkreter Beruf mit einem bestimmten Berufsbild an, wie zum Beispiel der Beruf Lehrer/in nach einem Lehramtsstudium oder der Beruf Arzt nach einem Medizinstudium.

In aller Regel ist dies aber nicht der Fall. Oft stehen Absolventen/innen nach einem Studiengang verschiedene Berufe und Beschäftigungsfelder offen.

Am Anfang der Berufswahl: Berufsorientierung

Bevor die eigentliche Berufswahl getroffen wird, findet eine Phase der Berufsorientierung statt. Berufsorientierung ist ein Sammelbegriff für eine Fülle von Maßnahmen, Spielen und Methoden, die in Klassen oder mit Einzelnen durchgeführt werden können.

Wichtige Fragen im Prozess der Berufsorientierung sind:

  • Welche Berufe haben die Eltern oder andere Vorbilder?
  • Wie ist die Ausbildungssituation in meiner Region?
  • Welche Berufe gibt es überhaupt?
  • Wie möchte ich arbeiten und leben?

Die Fragen werden offen gestellt, die Berufsorientierung hat ein spielerisches Element und soll es den Jugendlichen ermöglichen, sich den Fragen offen anzunähern und sie aufzunehmen.

Berufsinformationszentrum: Informationen sammeln

In jedem Berufswahlprozess ist das Sammeln von Informationen wichtig.

Informationen zu den verschiedenen Berufen und Ausbildungswegen werden von den Berufsinformationszentren der Arbeitsagenturen oder von den Jobcentern angeboten. Das Berufsinformations-zentrum kann man alleine oder mit der Schulklasse besuchen.

Hier findet man eine Fülle von Informationen zu allen Berufen.
Der Besuch im Berufsinformationszentrum ist kostenlos.

Inzwischen gibt es natürlich auch im Internet eine Fülle von Informationen zum Thema Berufswahl:

www.arbeitsagentur.de - Berufenet

www.azubi-azubine.de - Berufedatenbank

Berufsberatung: Ein wichtiger Schritt in der Berufswahl

Teil der Berufswahl ist fast immer eine Berufsberatung die z.B. von den Arbeitsagenturen angeboten wird.

Eine Berufsberatung besteht in der Regel aus mehreren Gesprächen. Oft werden im Verlauf der Berufsberatung auch Testverfahren oder Betriebspraktika zwischen die einzelnen Gespräche gelegt und in Feedbackgesprächen ausgewertet. Testverfahren und Praktika können wichtige Hinweise für die Berufswahl geben.

Mehr Informationen zum Ablauf der Berufsberatung gibt es hier.

Studienberatung

Abiturienten/innen mit Studienwunsch wenden sich oft direkt an die Studienberatung. Diese wird von vielen Universitäten und auch von den Hochschulteams der Arbeitsagenturen angeboten.

Berufswahltest

Im Internet gibt es viele Möglichkeiten, kostenlose Berufswahltests durchzuführen.

Für Haupt- und Realschüler/innen ist der Planet-Beruf-Test interessant, der auf den Seiten der Arbeitsagentur unter www.arbeitsagentur.de angeboten wird.

Weitere Tests, zum Beispiel den Explorix, bieten die Arbeitsagenturen vor Ort im Rahmen der persönlichen Berufsberatung an.

Für Abiturienten/innen ist der Borakel-Berufswahltest eine gute Wahl, der kostenlos von der Ruhr Universität unter www.borakel.de angeboten wird.

Ein weiterer guter Berufswahltest ist der kostenlose Allianz-Perspektiven-Test unter: www.allianz.de

Wer sich nicht sicher ist, welcher Ausbildungsweg der richtige ist, kann unter www.azubi-azubine.de einen Berufswahltest hinsichtlich der verschiedenen Ausbildungswege machen.

Berufswahl und Traumberuf

Der Berufswahlprozess kann auch anstrengend und mit Ängsten verknüpft sein.

Was, wenn ich meinen Traumberuf nicht finde?

Was, wenn es meinen Traumberuf gar nicht gibt?

Hier ist vielleicht folgende Information nützlich:

Aktuell arbeiten 40% der Beschäftigten in Deutschland in einem Beruf, der gar nicht oder wenig mit ihrer ursprünglichen Berufswahl und dem ursprünglich gelernten Beruf zu tun hat. Viele von ihnen haben ihren Traumberuf erst später gefunden und nachdem sie in das Berufsleben eingestiegen waren - lange nach der eigentlichen Berufswahl.

Man spricht deshalb heute auch schon nicht mehr von spezifischen beruflichen Karrieren, sondern von Kompetenzkarrieren. Das Berufsleben wird als lebenslanger Lern- und Entscheidungsprozess verstanden, indem man sich Kompetenzen erwirbt, die in unterschiedlichen Berufsfeldern einsetzbar sind.

Von daher: Auch wenn der Traumberuf noch nicht in Sicht ist - es kann gut sein, dass man ihn im Laufe des Berufslebens findet!

So gesehen ist die Berufswahl und die Entscheidung für die erste Ausbildung bzw. das erste Studium auch nur ein erster Schritt und die Berufswahl keine einmalige Entscheidung.

Es kann gut sein, dass der Prozess der Berufswahl mehrmals im Leben durchlaufen wird.

Weiterbildungen Berufswahl

Beim Institut für Bildungsocaching finden Sie Weiterbildungen zu den Themen Berufsberatung und Berufseinstieg. Themenschwerpunkte der Weiterbildungen sind Berufswahl, Berufseinstiegsbegleitung, Bewerbung, Berufsorientierung, Potenzialanalyse & Kompetenzfeststellung, Systemische Berufsberatung und Berufskundeunterricht.

Zielgruppe der Weiterbildungen sind alle Fachkräfte, die im U25-Bereich Berufsberatung anbieten und den Prozess der Berufswahl von jungen Menschen begleiten.

Seit 2013 bietet das Institut für Bildungscoaching auch die Qualifizierung zum/zur Berufsberater/in U25 an, die aus mehreren Modulen besteht.