Alles rund um das Thema Berufseinstiegsbegleitung

Situation am Ausbildungsmarkt

Für Hauptschüler*innen sieht es am Ende der Schulzeit nicht rosig aus: Nach wie vor findet nur jede*r Zweite von ihnen eine Lehrstelle, die anderen müssen sich oft jahrelang bemühen und werden zu sogenannten Altbewerbern*innen. Noch schlechter sieht die Situation auf dem Ausbildungsmarkt für die Jugendlichen aus, wenn sie die Schule ohne Abschluss verlassen und als Schulabbrecher*innen versuchen, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Außerdem brechen 20 % der Auszubildenden ihre Ausbildung im 1. Lehrjahr ab - häufige Gründe sind die falsche Berufswahl oder Probleme im Ausbildungsbetrieb. Insgesamt hat dies zur Folge, dass 15 % der 20-29jährigen über keinen beruflichen Abschluss verfügen und als Ungelernte von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Berufseinstiegsbegleitung

Um Altbewerbern*innen und Schulabbrechern*innen bessere Chancen zu geben, wurde der Ausbildungsbonus eingeführt: Betriebe, die eine*n Altbewerber*in einstellen, erhalten staatliche Hilfen. Außerdem werden entsprechend des SGB III § 421s bundesweit Berufseinstiegsbegleiter*innen eingesetzt. Berufseinstiegsbegleiter*innen sollen Jugendliche beim Übergang Schule - Beruf unterstützen. Zielgruppe der Berufseinstiegsbegleitung sind Jugendliche, die z.B. aufgrund von sozialen oder sprachlichen Schwierigkeiten wahrscheinlich Probleme haben werden, einen Schulabschluss zu erreichen und den Übergang in eine berufliche Ausbildung zu meistern. Ein häufiges Indiz dafür ist nach wie vor ein Migrationshintergrund, in der Regel besuchen die Jugendlichen eine Haupt- oder Förderschule. Ein*e Berufseinstiegsbegleiter*in betreut dabei maximal 20 Jugendliche gleichzeitig.

Bundesweit wurden ab 2009 zunächst 1000 Berufseinstiegsbegleiter*innen eingesetzt, sodass pro Jahr mehr als 20.000 Jugendliche unterstützt werden konnten. Inzwischen fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Initiative Bildungsketten die Berufseinstiegsbegleitung für einen Beginn in den fünf Schuljahren 2014/2015 bis 2018/2019. Dafür wurde 1 Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, jeweils zur Hälfte aus dem  Europäischen Sozialfonds und von der Bundesagentur für Arbeit. Mit diesem Betrag kann die Berufseinstiegsbegleitung an 2.550 Schulen mit insgesamt rund 115.000 Teilnehmenden angeboten werden. Das ESF-Bundesprogramm „Kofinanzierung der Berufseinstiegsbegleitung“ ist das finanzstärkste ESF-Programm, das der Bund in der Förderperiode 2014-2020 auflegt!

Aufgaben der Berufseinstiegsbegleitung

Die Berufseinstiegsbegleitung soll verschiedene Aufgabengebiete abdecken und jungen Menschen helfen, den Übergang von der Schule in den Beruf erfolgreich zu meistern.

1. Aufgabe der Berufseinstiegsbegleitung: Erwerb eines allgemeinen Schulabschlusses

Die Berufseinstiegsbegleitung richtet sich an Jugendliche in der Vorabschlussklasse. Das erste Ziel ist der Erwerb eines Schulabschlusses, in der Regel des Hauptschulabschlusses. Berufseinstiegbegleiter*innen helfen den zugeordneten Schüler*innen ab der 7. Klasse durch Lernunterstützung und andere geeignete Maßnahmen dabei, einen Schulabschluss zu erlangen.

2. Aufgabe der Berufseinstiegsbegleitung: Berufsorientierung

Gleichzeitig soll die Berufseinstiegsbegleitung den Jugendlichen eine vertiefte Berufsorientierung anbieten. Die falsche Berufswahl ist ein häufiger Grund für Ausbildungsabbrüche. Neben der Feststellung von Eignung und Talent ist es auch Aufgabe der Berufseinstiegsbegleiter*innen, eine realistische Berufswahl sicher zu stellen, denn in vielen Berufen haben Bewerber*innen mit Hauptschulabschluss wenig Chancen. Zudem geht es darum, in diesem Prozess auch Ausbildungsreife bei den Jugendlichen herzustellen, denn die Berufswahlreife gilt als Teil der Ausbildungsreife.

3. Aufgabe der Berufseinstiegsbegleitung: Bewerbung

Auch die Bewerbungsunterstützung ist Aufgabe der Berufseinstiegsbegleitung. In den Abschlussklassen helfen die Berufseinstiegsbegleiter*innen den Jugendlichen bei der Bewerbung: Sie unterstützen die Jugendlichen bei der Lehrstellensuche und helfen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen. Auch das Benehmen und Verhalten im Vorstellungsgespräch muss mit vielen Jugendlichen geübt werden.

4. Aufgabe der Berufseinstiegsbegleitung: Stabilisierung der Ausbildung

Wenn der Übergang in eine duale Ausbildung gelingt, sollen die Berufseinstiegsbegleiter*innen die Jugendlichen im ersten halben Jahr der Ausbildung stabilisieren, um einen langfristigen Erfolg der Maßnahme sicherzustellen. Bei Krisen am Ausbildungsplatz intervenieren und vermitteln die Berufseinstiegsbegleiter*innen. Voraussetzung ist hier die Kenntnis der rechtlichen Grundlagen der dualen Ausbildung.

Wer eignet sich zum*zur Berufseinstiegsbegleiter*in?

Berufseinstiegsbegleiter*innen können Personen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen werden. Geeignet sind vor allem Menschen, die über pädagogische Qualifikationen verfügen und/oder Erfahrung mit dem betrieblichen Ausbildungswesen haben, also z.B. selbst Ausbilder*innen waren oder Führungsaufgaben wahrgenommen haben.

Arbeitsort und Kooperation von Berufseinstiegsbegleitern*innen

Die Ausschreibung der Stellen für Berufseinstiegsbegleiter*innen erfolgt über die Träger. Der Berufseinstiegscoach arbeitet dann an einer Schule und ist bei einem Träger angestellt. Die Schüler*innen mit Betreuungsbedarf werden in Absprache mit Lehrern*innen oder Schulsozialarbeitern*innen ausgesucht. Die Eltern der in der Regel minderjährigen Schüler*innen müssen der Maßnahme zustimmen. Berufseinstiegsbegleiter*innen kooperieren in ihrer täglichen Arbeit eng mit Lehrern*innen und anderen Akteuren, z.B. ehrenamtlichen Dritten, die Jugendliche bei der Berufswahl und dem Berufseinstieg unterstützen.

Fortbildungen und Weiterbildungen für Berufseinstiegsbegleiter*innen

Das Institut für Bildungscoaching bietet verschiedene Fortbildungen an, die für Berufseinstiegsbegleiter*innen interessant sind, insbesondere natürlich die Weiterbildung zum Berufseinstiegscoach: Die Weiterbildung ist speziell für Berufseinstiegsbegleiter*innen konzipiert und orientiert sich inhaltlich an den Aufgaben der Berufseinstiegsbegleitung nach SGB III. Die Teilnehmenden erhalten ein fundiertes Grundwissen zu den verschiedenen Arbeitsfeldern.

Aufbauend auf die Weiterbildung zum Berufseinstiegscoach kann dann die Qualifizierung zum*zur Berufsberater*in U25 absolviert werden.

Berufseinstiegbegleiter*innen bieten den betreuten Jugendlichen oft auch Lernbegleitung an. Die Weiterbildung zum Lerncoach vermittelt das nötige Fachwissen, um Lernprozesse zu gestalten und Lernstörungen zu erkennen.