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Berufsberatung

Weiterbildung Berufsberatung

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Beratungsgespräche in der Berufsberatung

Nach Reinhold Sackmann ist Berufswahl ein Prozess, bei dem schrittweise eine Rollenkonkretisierung vorgenommen wird. In deren Verlauf werden immer mehr Berufe als nicht wählbar ausgeschlossen. Bereits in der 7. Klasse werden die Berufswünsche den für Hauptschüler/innen erreichbaren Berufen angepasst, andere werden nicht mehr in Erwägung gezogen.

Untersuchung von Heinz u. a. (1997)

Offensichtlich orientieren Jugendliche mit zunehmendem Alter ihre Wünsche an den als realistisch wahrgenommenen Möglichkeiten. Dabei werden vor allem in ihre Überlegungen miteinbezogen:

  • Ratschläge von Bezugspersonen
  • Eigene Neigungen
  • Schulische Leistungen
  • Arbeitsmarktlage

In der Berufsberatung gibt es verschiedene Beratungsansätze und Herangehensweisen. Einige sollen hier kurz vorgestellt werden.

Exploratives Interview

Ausgangslage: "Der Jugendliche weiß nicht, was er werden soll."

Das Erstgespräch

Erwartungen klären: Was kann in der Berufsberatung geklärt werden, was nicht? Welche Erwartungen hat der Jugendliche an die Berufsberatung. Wie weit ist der Jugendliche mit seiner Entscheidung?

Neigungen und Fähigkeiten erkunden: Mit Hilfe von Skalenabfragen

Entscheidungsfragen:

  • Bevorzugst du den Aufenthalt in Räumen oder im Freien?
  • Bist du gern am gleichen Ort oder gerne viel unterwegs?
  • Bevorzugst du den Umgang mit Menschen oder mit Sachen?

Bewertungsfragen:

  • Umgibst du dich gerne mit vielen Menschen?
  • Hast du einen großen Freundes- und Bekanntenkreis?
  • Bist du gerne alleine?

Erwartungen an den Beruf abfragen: Welche 5 Erwartungen sind für dich die wichtigsten? Kannst du genauer erklären, warum?

Beispiele

Ich möchte…

  • eigene Ideen umsetzen
  • eine sinnvolle Tätigkeit ausüben
  • etwas Tolles machen
  • später selbständig werden
  • ein Spezialist werden
  • Karriere machen
  • viel verdienen
  • einen sauberen und schönen Arbeitsplatz
  • gute Aufstiegsmöglichkeiten haben
  • einen sicheren Arbeitsplatz
  • viel Selbständigkeit und Verantwortung
  • anderen Menschen helfen
  • Beruf und Freizeit verbinden
  • mit vielen Menschen zu tun haben
  • am jetzigen Wohnort lernen und arbeiten können
  • eine kurze Ausbildung machen
  • eine Ausbildung machen, der ich gewachsen bin
  • eine anspruchsvolle Ausbildung machen
  • mich und meine Familie ernähren können
  • viel Abwechslung
  • später mal Teilzeit arbeiten

Beispiel: Hausaufgabe

Welche Stärken und Interessen kennen Bezugspersonen von dir? Interviewe mindestens drei Bezugspersonen. Schreibe die Antworten auf und bringe sie zum nächsten Berufsberatungsgespräch mit.

Das zweite Gespräch

Berufsfelder erkunden: Mit Hilfe von Symbolkarten sollen Interessen geweckt und eine erste Auswahl getroffen werden.

  • Berufe werden nach Tätigkeitsschwerpunkt in Gruppen eingeteilt. Auf jeder Symbolkarte steht ein Schlagwort und eine Zeichnung bzw. ein Bild, das den Kern des Tätigkeitsbereiches erfasst. Zum Beispiel: "Menschen helfen" / "Metall verarbeiten" / "In der Natur arbeiten" / "Menschen verschönern".
  • Die Karten werden dem Jugendlichen nacheinander vorgelegt. Er soll spontan sagen, welches Feld ihn anspricht und welches nicht. Die nun entstandene Auswahl wird genauer angesehen und bestimmten Berufen zugeordnet. Gemeinsam bespricht der Berufsberater mit dem Jugendlichen die möglichen Berufe.
  • Eine weitere Auswahl von einzelnen Berufen wird selektiert. Der Jugendliche erhält nun zu ca. zehn verschiedenen Berufen genaue Informationen, die er mit nach Hause nehmen kann (z.B. Berufsinformationen der Agentur für Arbeit).

Tipp:

Die Vorbereitung der Karten kann auch in einer Klasse / Gruppe erfolgen. Man sortiert gemeinsam die 100 häufigsten Berufe in Gruppen, die die Klasse gemeinsam festlegt. Dabei muss immer wieder geklärt werden, was man in einigen Berufen eigentlich macht. In Kleingruppen ordnen die Schüler aus allen Berufen die passenden Berufe ihrem Tätigkeitsschwerpunkt zu. Später überprüft man die Zuordnung auf Überschneidungen. Jede Gruppe gestaltet selbst z.B. mit Bildern aus Zeitschriften ihre Symbolkarte.

Das dritte Gespräch

Weiterbildungsmöglichkeiten ansprechen, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Anforderungen der Arbeitgeber: In diesem Gespräch wird geklärt, welche der bisher gewählten Berufe realistische Möglichkeiten darstellen. Hier gilt es, die Anforderungen und Chancen zu besprechen und evtl. Hemmnisse zu erörtern (z.B.: Es gibt nur wenige Ausbildungsstellen in diesem Beruf am Heimatort).

Faktorenanalyse: Tendenzwahl treffen: Der Jugendliche wird in seinen Berufswahlgründen ernst genommen. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile wird eine Empfehlung ausgesprochen. Zum Schluss werden die vier wichtigsten Faktoren abgefragt und zur endgültigen Entscheidung herangezogen.

  • Welchen Beruf würden dir deine Eltern empfehlen?
  • Welchen Beruf empfehlen dir andere wichtige Menschen?
  • Welches berufliche Umfeld ist dir wichtig?
  • Welche Tätigkeit(en) bevorzugst du?
  • In welchen Schulfächern bist du gut?
  • In welchen Schulfächern könntest du noch aufholen?
  • Wie ist die Arbeitsmarktsituation?

Der Jugendliche wird verabschiedet mit einer Empfehlung für mehrere Berufe. Die Berufswahl ist damit nicht endgültig abgeschlossen. Nun folgt die Phase der Erprobung.

Aspirative Beratung

Ausgangslage: "Der Jugendliche ist festgelegt, hat aber bereits eine längere Phase des Misserfolges hinter sich oder möchte sich nun verändern."

  1. Biographische Faktoren: Gründe für die Festlegung erfragen!
  2. Gründe des Scheiterns gemeinsam definieren!
  • Was kann korrigiert werden?
  • Was kann (zu diesem Zeitpunkt) nicht korrigiert werden?

3. Aspirationskorrektur: Die Präferenz muss nun an die Erfolgswahrscheinlichkeit angepasst werden. Hat der Jugendliche ein zu hohes Anspruchsniveau?

  • Leistungstests
  • Entscheidungskriterien definieren

4. Perspektivische Beratung: Weiterbildungsmöglichkeiten aufzeigen

5. Informationsleistung: Wahlalternativen vorstellen

Methoden der Lebenslaufanalyse

Auch die Lebenslaufanalyse ist eine wichtige Methode in der Berufsberatung. Durch das abfragen oder erfragen von wichtigen Ereignissen im Lebenslauf können auch berufliche Entscheidungen beleuchtet und Talente entdeckt werden.

Methode: Narratives Interview

Eine Methode der Lebenslaufanalyse ist das narrative Interview.

Im offenen oder narrativen Interview konzentriert sich der Interviewer auf einen Erzählstimulus mit dem er das Gespräch eröffnet. Zum Beispiel: "Erzähl doch mal, warum dich dieser Beruf interessiert!"

Nach der Eröffnung durch den Stimulus soll der Interviewer so wenig wie möglich in die Themensetzungen eingreifen und das Erzählte lediglich durch interessiertes Zuhören und begleitende Äußerungen wie "Hm", "Ah ja" bestätigen.

Der verunsicherte Jugendliche wird vielleicht Rückfragen stellen, was Sie denn genau hören möchten. Folgen Sie seinen Themensetzungen und öffnen Sie den Raum für mehr.

Beispiel

J: "Was wollen Sie denn da groß wissen?"

B: "Na eben alles, was dir dazu einfällt, erzähl einfach mal drauf los!"

oder:

J: "Wollen Sie jetzt wissen, was meine Eltern meinen oder was?"

B: "Ja, und alles andere was für deine Berufswahl wichtig war!"

Erst im zweiten Teil des Interviews versucht der Interviewer, mit gezielten Nachfragen Zusammenhänge zu klären oder Widersprüche zu entwirren. Nach dem Gespräch müssen die Gesprächsaufzeichnungen ausgewertet und interpretiert werden.

Methode: Ereignisdatenabfrage

Eine weitere Methode der Lebenslaufanalyse ist die Ereignisdatenabfrage.

Eine Ereignisdatenabfrage kann über einen gemeinsam ausgefüllten Fragebogen oder durch eine in Einzelarbeit beschriftete Lebensverlaufs-Leiste erfolgen.

Für ein ausführliches Ereignisdateninterview benötigen Sie das Vertrauen des Jugendlichen und seine Einwilligung. Es sollte ihm immer freigestellt werden, bestimmte Themen nicht zu besprechen.

Bei der Ereignisdatenabfrage erfragen Sie zunächst alle Daten, die Sie für Ihre Klientendokumentation benötigen. Dann definieren Sie die biographischen Daten, die Sie zur Einschätzung der Persönlichkeit und des Herkunftsmilieus des Jugendlichen benötigen.

Beispiel

Abgefragte Meilensteine können dabei sein:

  • Kindergarten (Zeiträume, Erinnerungen)
  • Schule (Zeiträume, Wechsel, Schulerfolge, Misserfolge, Noten, Erinnerungen)
  • Freizeitverhalten (Interessen, Aktivitäten, Freunde, Erfolge, Misserfolge)
  • Familienaufgaben (Muss der Jugendliche im Haushalt helfen?)
  • Geschwister (Alter, Schule, Beruf)
  • Elternberufe (Ausbildung und Ausübung, Werte)
  • Großeltern (Ausbildung und Ausübung, Werte)
  • Migration (Zeitpunkt, Bezug zur alten Heimat, Werte: Was gefällt dir an deiner neuen Heimat, was vermisst du an deiner alten Heimat?)
  • Gesundheit (längere Krankheiten, Unfälle, Allergien, sportliche Fitness)

Psychodiagnostische Verfahren

Psychodiagnostische Verfahren sind nicht notwendigerweise Voraussetzung für eine gründliche Berufsberatung. Sie sollten dann eingesetzt werden, wenn:

  • der Jugendliche entweder äußerst unentschlossen ist und Symptome einer psychischen Belastung aufweist, (der Jugendliche kann das Thema der Berufswahl nicht bewältigen, da er unter Angstsymptomen o.a. leidet)

oder

  • latente Entwicklungsverzögerungen vermutet werden, die eine Berufswahl zu diesem Zeitpunkt unmöglich machen

oder

  • die Belastbarkeit für einen bestimmten Beruf überprüft werden soll (auch: IQ-Tests).

Solche Testverfahren können in Kooperation mit dem psychologischen Dienst der Arbeitsagentur oder anderen Beratungsstellen durchgeführt werden.

Evaluation der Beratung

Längere Beratungsprozesse sollten immer auch evaluiert werden. Nur so können Sie kritisch Ihre Beratungsleistung hinterfragen.

Definieren Sie Kriterien Ihres Erfolges. Abgefragt werden sollte der tatsächliche Outcome und nicht nur der subjektive Eindruck. Wie definieren Sie Ihren Outcome?